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OPC als wissenschaftlicher Vortrag von
Prof. Dr. Jaques Masquelierin
Baltimore am 18. Oktober 1996 "Meine
Damen und Herren, ich freue mich sehr über die Gelegenheit, heute hier in Baltimore
vor einem so erlesenen Publikum zu sprechen. Ich hoffe, Ihr Interesse an dem Warum,
Wann und Wie meiner Entdeckung von OPC wecken zu können, jenen pflanzlichen
Substanzen, über die ich, wie ich gestehen muß, nun schon seit fast einem halben
Jahrhundert arbeite. Aber über diese Stoffe zu arbeiten, hat seinen eigenen Zauber
und mangelt auch nicht einer gewissen Poesie, dassich, wie Sie sehen, diesen Vortrag
damit beginne, Ihnen einige schöne Blumen zu zeigen.
Die Substanzen, denen ich 50 Jahre meines
Lebens als Professor und Forscher gewidmet habe, gehören zu der großen
Gruppe der Polyphenole.
Es sind pflanzliche Substanzen, und wie wir alle wissen, steht die Pflanzenwelt
am Ursprung der Tierwelt und somit am Ursprung allen irdischen Lebens. Um Leben
zu erschaffen, ist eine beträchtliche Synthesekraft erforderlich, und zwar so
sehr, dass Pflanzen außergewöhnlich reich an chemischen Komponenten sind und wir,
wenn wir etwa von Pycnogenolen oder Polyphenolen sprechen, uns sofort Listen von
vielen Hunderten Bestandteilen gegenübersehen. Wenn wir also nicht bei einem veritablen
chemischen und physiologischen Turm von Babel enden wollen, werden wir bei diesen
zahllosen Bestandteilen eine gewisse Ordnung schaffen müssen.
Ich möchte Ihnen daher einen sehr kurzen Kurs über die Chemie
von Pflanzen geben, genau gesagt, über Polyphenole. Polyphenole
sind farbige Substanzen oder zumindest sind die Polyphenole, die Pflanzenpigmente
sind, farbig. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben. Diese Blume ist rot, weil
ihre Blüten das enthalten, was als Anthocyan oder anthocyanische Pigmente bekannt
ist, vom griechischen «anthos», was Blume bedeutet, und «kyanos», was blau bedeutet.
Nun werden Sie einwenden, dass der Name ziemlich schlecht gewählt ist, weil die
Blume doch rot ist, der Name jedoch blaue Blume bedeutet. Doch er leitet sich
von dem ersten bekannten Anthocyan ab, der aus der Kornblume gewonnen wurde, die
ja blau ist. Ein typisches Merkmal von Anthocyanen ist, dass sie in Säure rot
und in alkalischen Umgebungen blau sind. Wir müssen also bedenken, dass die riesige
Gruppe der Polyphenole eine Anzahl von roten und blauen Pigmenten umfaßt, die
Anthocyane. Betrachten
wir nun eine weitere Gruppe der Polyphenole, die gelben Pigmente. Gelb heißt auf
lateinisch «flavus», daher der Name «flavonische
Pigmente», von denen es unzählige Arten gibt. Seit jeher werden diese Substanzen
als Drogen verwendet, das Wort «flavonisch» hat im
Laufe der Zeit eine sehr breite Bedeutung innerhalb der Pharmazie und Medizin
angenommen, und es ist üblich geworden, von Flavonoiden
zu sprechen. Flavonoid ist ein sehr praktischer Oberbegriff, aber es ist nicht
ganz klar, was er abdeckt. Das Suffix -oid bezeichnet «Form» oder «Ähnlichkeit».
Humanoid beispielsweise bedeutet, dass etwas dem Menschen ähnelt. Aber bei Flavonoiden
hat sich die schlechte Angewohnheit eingeschlichen, dass darunter auch große Mengen
an Molekülen subsumiert werden, die überhaupt nichts mit gelben Pigmenten zu tun
haben. Ich sage dies hier, um Ihnen eine allgemeine Vorstellung zu geben und Sie
praktisch vor dem unmäßigen Gebrauch des Begriffs Flavonoid zu warnen. Man sollte
immer spezifizieren, welches Flavonoid gemeint ist.
Zusätzlich zu den roten Pigmenten, den Anthocyanen, und
den gelben Pigmenten, den Flavonen oder Flavonoiden, gibt es eine Anzahl von Pflanzen,
die offenbar nur durch Chlorophyll pigmentiert sind, jenem 13 grünen Pigment,
das die Blätter in die Lage versetzt, eine organische Synthese zu leisten. Sie
sehen hier einige Fotos von Traubenblättern. Diese Blätter verbergen etwas wirklich
Besonderes, nämlich Procyanidine oder Proanthocyanidine,
die Substanzen, über die ich viele Jahre gearbeitet habe. Auch sie sind Polyphenole,
aber farblose. Sie sehen also, dass der Begriff Polyphenol in eine ganz große
Tüte paßt, eine ganze Rumpelkammer voller Stoffe, und dass Genauigkeit bei diesem
Thema absolut notwendig ist. Man muß wissen, ob ein Polyphenol farbig ist oder
nicht, ob es ein Pigment ist - ein blaues, gelbes, rotes Pigment usw. - oder ob
es überhaupt nicht pigmentiert ist. Gerade jetzt führt die Natur uns vor, dass
viele grüne Blätter im Herbst rot werden. Der Grund hierfür ist, dass sie Proanthocyanidine
enthalten. Man kann mit
einem sehr einfachen Experiment das Vorkommen von Proanthocyanidinen nachweisen.
Dafür ist eine Investition von, sagen wir, 30 Dollar für Material erforderlich,
mehr nicht. Aber die Tatsache, dass das Experiment billig ist, macht es noch lange
nicht ungültig. Zudem ist es ein sehr einfach durchzuführendes Experiment.
Man schneidet ein Traubenblatt in kleine Stücke, gibt es in einen Erlenmeyer-Kolben,
fügt eine verdünnte Mineralsäure, eine zehnprozentige Salzsäurelösung, hinzu und
erwärmt das Ganze. Während es erwärmt wird, erscheint eine Rotfärbung.
Nach der Filtration kann man diese Färbung in einer Lösung gewinnen, und wenn
man die Lösung mit Isoamylalkohol verschüttelt, steigt die gesamte rote Färbung
nach oben. So verhalten sich Proanthocyanidine; oder vielmehr, so verhalten sie
sich im Labor. Wann immer diese Proanthocyanidine intensiv
mit einer Mineralsäure behandelt werden, verwandeIn sie sich in Anthocyane, in
rote Pigmente. Sobald
diese Proanthocyanidine in ihrer reinen Form isoliert sind, kann man das Experiment
im Labor wiederholen, und jedesmal, wenn man sie in Gegenwart von Säure erhitzt,
verwandeln sie sich in ein rotes Pigment, ein Anthocyan. Und deshalb werden
diese Substanzen Proanthocyanidine genannt, weil sie die Vorläufer von Anthocyan
sind. Es
ist sehr deutlich, dass in der Natur - und bedauerlicherweise können wir
hier drinnen das schöne Schauspiel nicht sehen, das die Natur draußen aufführt,
auch wenn Sie wissen, wie es aussieht, dasses sich direkt unter Ihren Augen abspielt
- ein roter Ahornwald seine typische Herbstfärbung
annimmt. Aber was geschieht in diesen Ahornblättem, wenn sie sich im Herbst
rot färben? Auch sie produzieren rotes Anthocyan. Diese Verwandlung wurde jedoch
nicht durch die Zugabe von Salzsäure ausgelöst. Und es ist gleichermaßen klar
dass, weil die Blätter im Begriff sind zu sterben, wir hier keine Synthese, sondern
eine schlichte Verwandlung vor uns haben, die Verwandlung
von Procyanidin in Anthocyan. Nach dieser Klarstellung können wir das Problem
nun genau fassen. Man kann das Vorliegen dieser Moleküle auf zwei Arten beweisen,
die ich im Laufe meines Lebens ausgiebig studiert habe. Erstens im Labor: Man
nimmt ein kleines Pflanzenfragment, erhitzt es in saurer Umgebung, und wenn es
sich rötet, liegt eine Anthocyan-Produktion vor. Die zweite Beweisführung besteht
darin, geduldig auf den Herbst zu warten und zu beobachten, ob die Blätter an
den Bäumen rot werden. Dann weiß man, dass die betreffende Pflanze Proanthocyanidine
absondert.
Ich will
Sie nicht mit den chemischen Formeln dieser Substanzen belästigen, ich will Ihnen
nur bewußt machen, dass diese Phänomene in Pflanzen vorkommen, die Katechine synthetisieren
können. Katechine sind Polyphenole; sie sind
zugleich ein weiteres Mitglied der riesigen und äußerst komplexen und vielfältigen
Gruppe der Polyphenole. Katechine sind Monomere, und ich stelle sie hier als ein
Kreis mit dem Buchstaben K dar. [Hier bezog sich Masquelier
auf die Abbildung einer chemischen Formel.] Einige Pflanzen synthetisieren
nur Katechine. Ein sehr bekanntes Beispiel ist Tee. Grüner Tee enthält Katechine
und sonst nichts. Diese Katechine mögen in ihrer Komplexität schwanken, aber es
sind alles Monomere. Hingegen wird in anderen Pflanzen,
etwa der Weintraube, dem Ahorn und vielen anderen, das Katechinmonomer synthetisiert,
und dann verbindet es sich zu Zweier-, Dreier-, Vierer- und manchmal Fünfergruppen,
wenngleich dies selten vorkommt. Diese Gruppen sind als oligomere Procyanidine
bekannt oder OPC. Sie stehen im Zentrum meiner Studien, und über sie möchte
ich heute ausführlich sprechen. Wie
Sie sehen, habe ich Katechin mit dem Buchstaben K gekennzeichnet. Haben
Katechine, die sich durch Kohlenstoff-Kohlenstoff-Brücken verbunden haben, OPC
gebildet, verlieren sie ihre Identität als Katechine und werden zu procyanidolischen
Einheiten. Aus diesem Grund habe ich den Buchstaben K durch den Buchstaben
E 14 ersetzt. Dies soll Ihnen eindeutig klarmachen, dass jede Einheit ihre Katechin-Identität
verliert, wenn OPC gebildet wird. Gezeigt
werden soll hier, dass wir es mit etwas anderem als einem kondensierten Katechin
zu tun haben. Diesen Katechinen, die mittels einer Kohlenstoff-Kohlenstoff-Brücke
und einem anderen Katechin wie eine Einheit miteinander in einer E-Form verbunden
sind, ist zu eigen, dass man beim Zerbrechen der Kohlenstoff-Brücke keine Katechine,
sondern Anthocyane erhält. Dies ist die Reaktion, die ich Ihnen gezeigt habe,
das berühmte 30-Dollar-Experiment, das zwar nicht besonders seriös wirken mag,
aber trotz der bescheidenen Kosten sehr interessant ist und das Sie hier sehen.
Es zeigt, dass Dimere, d.h. zwei durch eine Kohlenstoff-Brücke miteinander verbundene
Katechine, ihre unterschiedlichen Identitäten völlig verlieren. Es ist so, als
ob Fräulein Durand und Herr Dupont heirateten und nach der Eheschließung weder
eine Spur von Dupont noch Durand zu finden wäre, sondern dass sie einen neuen
Namen angenommen hätten. Sie sind immer noch zwei Individuen, zwei Menschen, aber
die sie verbindende Ehe hat dazu geführt, dass sie ihre frühere Identität aufgegeben
haben. Wichtig ist zu bedenken, dass wir es mit einer völlig anderen Substanz
zu tun haben, wenn Dimere, Trimere usw. - also OPC - gebildet werden. Mit anderen
Worten: Wenn die Natur beschließt, eine Pflanze, z.B. Teeblätter, ausschließlich
Katechine hervorbringen zu lassen, stellt sie sicher, dass diese Katechine ganz
bestimmte sind. Es ist falsch, von Tannin im Tee zu
sprechen. Teeblätter enthalten nur Katechine. Diese mögen mehr oder weniger
variiert sein, aber dennoch bleiben sie alle Katechine. In
Trauben- und Ahornblättern hat die Natur beschlossen, die Katechine in OPC zu
verwandeln, und hat unter diesen Bedingungen neue Individuen hervorgebracht. Sowohl
von einem chemischen wie auch medizinischen oder physiologischen Gesichtspunkt
aus dürfen wir Katechine nicht mit OPC verwechseln.
Ich will Ihnen ein Beispiel geben, das ich sehr gut kenne,
weil ich, wie Sie wissen, aus einer Gegend in Frankreich komme, wo viel Wein produziert
wird. Und dazu noch sehr guter Wein, wenn Sie mir diese Bemerkung erlauben, fast
so gut wie die Napa-Valley-Weine. Die Synthese, die in Wein stattfindet oder vielmehr
im Traubenblatt, ist besonders komplex, weil das Traubenblatt nicht nur Monomere,
d.h. Katechine, sondern auch Oligomere produziert, die, wie wir gesehen haben,
durch eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Brücke verbundene Katechine sind und zu OPC
verwandelt wurden. Über diese Verbindung von zwei, vier, sagen wir noch, fünf
Katechine hinaus erhalten wir Polymere. Sie sind kein OPC mehr, sondern Polymere,
weil über eine gewisse Verdichtung hinaus diese Substanzen zu Tanninen werden.
Und auch hier müssen wir mögliche Verwechslungen vermeiden. Sie sehen nun, wie
komplex die Chemie der natürlichen Substanzen ist! Allgemein ist der Eindruck
verbreitet, dass alles Natürliche gut, rein, einfach und leicht zugänglich ist.
Aber die Chemie der natürlichen Substanzen ist einer der schwierigsten Chemiezweige.
Wir dürfen keinesfalls ein Katechin mit einem Tannin verwechseln, und doch geschieht
dies leicht, weil wir beispielsweise vom Tannin im Tee sprechen, was ein großer
Irrtum ist. Tee enthält Katechine und sonst nichts. Kein Tannin.
Aber wir dürfen auch nicht glauben, dass es keinen Unterschied
zwischen OPC und Tannin gebe. Tannin ist ein riesiges Molekül, das, physiologisch
gesprochen, nicht länger interessant ist. Meiner Meinung nach wird Tannin wegen
der einzig wertvollen Eigenschaft benutzt, die es aufweist und die seit langem
bekannt ist: seine Wirkung gegen Durchfall. Tannine
sind jedoch nicht in der Lage, die Darmschranke zu passieren und daher nicht bioverfügbar.
Wir sollten uns also von den Tanninen abwenden und mehr auf die richtigen Oligomere
konzentrieren, kleine Gruppen von zwei, drei, vier und sehr selten sogar fünf
Katechinen, die durch eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Brücke miteinander verbunden
sind und eine anthocyane Reaktion auslösen. Diese bedeutet, dass sie unter den
zuvor genannten Bedingungen in rote Pigmente verwandelt werden.
1979 prägte ich das Wort „Pycnogenol",
um ein wenig Ordnung in diese hochkomplexe Chemie zu bringen. Wenn wir
nämlich von Tanninen sprachen, wußten wir nie genau, was das war. Aus chemischer
Sicht - als Chemiker - prägte ich das Wort Pycnogenol. Dieses Wort deckt all diese
Substanzen ab, denn es sind alles Substanzen, die sich unter bestimmten Bedingungen
miteinander verbinden können. Auf griechisch bedeutet Pycnogenol «mit der Neigung,
sich untereinander zu verbinden, Gruppen mit zunehmender Komplexität zu bilden».
Nun wissen Sie also fast soviel wie ich über dieses Thema, und wenn ich noch weiter
fortfahren würde, würde es bald schon kompliziert, und ich verlöre vermutlich
Ihre Aufmerksamkeit. Ich
will Ihnen nun etwas über meine Forschung erzählen, darüber, warum ich Erfinder
bin und besonders, warum ich OPC für medizinische Zwecke entdeckte. Sie
wissen, dass ein Erfinder nichts aus dem Nichts erschafft. Wenn ich plötzlich
ein weißes Kaninchen aus dem Nichts erschaffen könnte, wäre ich ein Schöpfer.
Wir alle wissen, dass der Begriff «Schöpfer» für Gott reserviert ist, der ohnehin
auf diesem Gebiet unschlagbar ist; es hat daher auch keinen Zweck, sich mit Ihm
messen zu wollen. Der Erfinder ist Teil des von Gott geschaffenen Universums.
Und wie wir seit Lavoisier wissen, diesem großen französischen Chemiker, der als
Vater der modernen Chemie betrachtet wird, wird nichts in dieser Welt erschaffen
und nichts verloren, sondern alles verwandelt. Daher verwandelt auch ein Erfinder
nur, was in der Natur bereits vorhanden ist. Diese Verwandlung besteht oft in
der Entdeckung einer neuen Möglichkeit einer bekannten Substanz. In
diesem Sinn war ich ein Erfinder, als ich die therapeutischen Eigenschaften von
OPC entdeckte, zu denen ich nun komme.
Ich
begann meine Forschung über Erdnüsse. Warum Erdnüsse, werden Sie fragen. Weil
Öl aus Erdnüssen gewonnen wird, und das war auch
1945 der Fall. Zu der Zeit war ich ein junger Student und arbeitete an
meiner Dissertation. Ich arbeitete deshalb über Erdnüsse, weil Frankreich ziemlich
schlecht aus dem Krieg hervorgegangen war. Die USA hatten uns geholfen, unsere
Feinde loszuwerden, aber das Land war ausgeblutet. Wir konnten uns damals in Frankreich
nicht richtig ernähren. Daher stellte sich die Frage, ob das, was von der Erdnuß
nach der Öl-Extraktion übrigblieb und bis dahin an das Vieh verfüttert worden
war, nicht auch zur Ernährung der Franzosen taugte, vorausgesetzt, dass es nützliche
Aminosäuren enthielt. Ich war also mit dieser Aufgabenstellung befaßt. Um die
Aminosäuren zu untersuchen, die nach der Ölgewinnung in der Erdnuß verblieben,
musste ich mit einer Säure die Proteine in Aminosäuren zurückführen. Jedesmal,
wenn ich eine Säure gebrauchte, tauchte eine rote Farbe auf. Ohne es zu wissen,
verursachte ich cyanidolische Reaktionen.
Ich wollte wissen, was diese Rotfärbung verursachte und entdeckte, dass es eine
farblose Substanz war, die in der Erdnußhaut vorkam, eine Substanz, die in der
Erdnuß selbst entstand und sich anschließend in der Haut konzentrierte.
Kurz gesagt, meine Dissertation nahm allmählich Gestalt
an. Dies geschah 1948, um genau zu sein, am 12. Juli 1948. Sie können selbst errechnen,
dass ich zu jener Zeit ziemlich jung war, dassich 1922 in Paris geboren wurde.
Und doch enthielt diese Dissertation einige neue Fakten über Polyphenole. Tatsächlich
formulierte ich zu dieser Zeit die Hypothese, dass sich diese monomerischen Substanzen
während des Stoffwechsels mittels einer Kohlenstoff-Kohlenstoff-Brücke miteinander
verbanden, um Dimere zu bilden. Dies
war eine meiner ersten Entdeckungen in jener Zeit. Die zweite war folgende: Ich
hatte mit Meerschweinchen gearbeitet und ihren Kapillarwiderstand gemessen, nachdem
ich ihnen diese aus Erdnüssen isolierte Substanz verabreicht hatte, bei der es
sich natürlich um OPC, ein Proanthocyanidin, handelte. Ich bemerkte, dass
diese Substanz die Kapillarresistenz der Tiere erhöhte. Aber zu dem Problem der
Kapillarresistenz komme ich später noch. Der
für mich wichtige Punkt war: Ich nahm diese Untersuchungen
natürlich in einem biochemischen Labor vor, und zwar einem, das einer medizinischen
Fakultät angeschlossen war. Mehr oder weniger steht fest, dass ich mich
darauf beschränkt hätte, die Chemie dieser Substanzen zu untersuchen, wenn ich
in einem Labor gearbeitet hätte, das einer naturwissenschaftlichen Fakultät angegliedert
war. Aber dass ich nun einmal zufällig an einer medizinischen Fakultät arbeitete,
wollte ich wissen, ob diese Substanzen irgendeine physiologische Bedeutung hatten.
Hierbei hatte ich großes Glück, denn ich entdeckte, dass diese Substanzen eine
Wirkung auf das Gefäßsystem hatten, dass sie die Kapillarresistenz erhöhten. Und
zwar sogar so stark, dass 1950, nachdem ich die Methode hatte patentieren lassen,
mit der man diese Substanzen extrahieren kann, das erste auf OPC basierende Medikament
auf dem französischen Markt erschien. Es hieß ResivitTM und basierte auf Proanthocyanidinen,
die aus Erdnußhäuten gewonnen waren. Wenn Sie
nach Frankreich gekommen wären und in einer Apotheke nach ResivitTM gefragt hätten,
man hätte es Ihnen mit Freuden verkauft. Natürlich, denn Apotheker verdienten
ja ihr Geld damit, aber das zeigt, dass dieses Gefäßschutzmittel ResivitTM seit
1950 in Frankreich verkauft wird, und es ist immer noch auf dem Markt.
Die Erdnüsse zur Herstellung von ResivitTM wurden in ihren Schalen aus Afrika
importiert. Kurz nach der Einführung von ResivitTM kamen die Erdnüsse jedoch ohne
Schalen in Bordeaux an. Die Senegalesen hatten begonnen, sie mit diesem einfachen
Gerät zu schälen, und seitdem trafen sie in Bordeaux eben ohne ihre Häutchen ein.
Dies bedeutete, dass unsere Quelle an Rohmaterial für das Medikament versiegt
war und ich eine andere OPC-Quelle finden mußte. Zufällig fand ich sie in dem
Pinienwald nahe Bordeaux, der sich vom Süden der
Stadt bis hin zur spanischen Grenze zieht. Diese Gegend heißt «Les Landes», und
in der Rinde der Pinien dieser Region fand ich wieder einmal Proanthocyanidine,
OPC. Ich erforschte sie und entdeckte eine Methode, mit der man sie gewinnen konnte.
Diese Extraktionsmethode war Gegenstand des Patents, das
ich 1951 anmeldete. Wie Sie sehen, reicht dies nun schon eine ganze Zeit
zurück, und es zeigt deutlich, dass man in Frankreich damals an dieser Substanz
interessiert war, zumindest jedenfalls in Bordeaux und in meinem Labor.
Dieses
Patent war die Grundlage für FlavanTM, ein Arzneimittel, das auf OPC aus Pinienrinde
basierte. Aus Pinienrinde
gewonnenes OPC hat ebenfalls eine Wirkung auf das Gefäßsystem. Daher ist FlavanTM
auch ein Gefäßschutzmittel. Es wird immer noch in französischen Apotheken verkauft
und von französischen Ärzten verschrieben.
Um
mit den positiven Ergebnissen meiner Forschung fortzufahren: Ungefähr zehn Jahre
später kamen wir in meinem Labor auf die Idee, Traubenkerne
zu analysieren. Wir entdeckten, dass das in dem Traubenblatt vorhandene OPC von
dem Blatt in den Traubenkern wandert und sich dort sammelt. Dadurch wurde der
Traubenkern zu einem sehr interessanten Rohstoff für die Extraktion von OPC, besonders,
weil er als ein Abfallprodukt der Herstellung von Bordeauxwein billig und reichlich
vorhanden war. Nachdem die Trauben gelesen und gepreßt worden sind, findet
man wahre Berge an Traubenkernen. Traubenkerne werden manchmal für die Ölgewinnung
genutzt, weil Traubenkernöl ein ausgezeichnetes, köstliches Speiseöl ist, reich
an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Aber sie können nicht alle für die Ölgewinnung
verbraucht werden, es gibt einfach zu viele, so dass die Industrie begann, sie
auch als eine neue Quelle für OPC zu nutzen. In einem
Traubenkern befindet sich das Öl auf der Innenseite; auf der Außenseite ist eine
Zone, die Tannin enthält, und direkt auf der Oberfläche dieser Tanninzone findet
man OPC.
Das
fassbare Ergebnis all dessen ist ein drittes Arzneimittel, EndotélonTM, ein weiteres
Gefäßschutzmittel, das auf Traubenkernen basiert, die bei der Herstellung von
Bordeauxwein übrigbleiben. Wie
Sie sehen, liegt hier seit Jahrzehnten ein kontinuierlicher Prozeß vor, ein Entwicklungsprozeß
dreier Arzneimittel, die auf natürlichen Substanzen beruhen und alle das gleiche
therapeutische Profil aufweisen, nämlich
Schutz des vaskulären Systems. Aber
wie stellt man diese Schutzwirkung für das Gefäßsystem fest? Indem man den Widerstand
der kleinen Kapillargefäße mißt. Die Kapillarresistenz läßt sich leicht messen.
Man muß nur mit diesem kleinen Gerät ein Vakuum in diesem Glasgefäß herstellen
und kann mit einem Manometer in Quecksilberzentimetern den so hergestellten Druckabfall
messen. Zur Durchführung der Messung legt man das Gerät an die Haut und schafft
ein Vakuum, bis winzige kleine Hämorrhagien erscheinen. Die Messung, die Sie hier
[auf dem Dia] sehen, wurde bei einem Druck durchgeführt,
der unter dem der Kapillarresistenz lag, aber wenn man einen Druck schafft, der
25 Quecksilberzentimetern auf dem Manometer entspricht - was im allgemeinen der
erforderliche Druck bei einem gesunden Mann ist -, fangen die ersten Kapillaren
an zu platzen, und so hat man die Kapillarresistenz ermittelt. Diese Messung kann
natürlich auch an Meerschweinchen oder anderen Tieren durchgeführt werden. Was
geschieht bei dieser Messung unter der Haut? Ganz einfach: Die Kapillaren platzen.
Hier sehen Sie das Bild eines geplatzten Haargefäßes, das mit einem Elektronenmikroskop
aufgenommen wurde. Sie sehen die roten Blutzellen, die Lymphozyten, das Innere
der Kapillare, die sie umgebenden Zellen und noch etwas, das sich wahrzunehmen
lohnt, weil es sich mehr oder weniger wie Umhüllungsgewebe um die Zellenwand verhält:
Kollagenfasern. Und
damit bin ich zu dem wichtigsten Element meiner damals neuen OPC-Entdeckungen
gelangt: ihrer Wirkung auf Kollagen.
Man könnte sagen, dass seit meiner Publikation dieser umfassenden Tabelle die
Proanthocyanidine, OPC, als «Kollagenvitamine» betrachtet
werden können, weil sie an der Biosynthese von Kollagen teilhaben und seine Zerstörung
verhindern. Betrachten wir daher zuerst die Biosynthese. Wie Sie wissen,
erfordert die Biosynthese von Kollagen Ascorbinsäure, Vitamin C, weil die Aminosäuren
Prolin und Lysin hydroxyliert werden müssen, bevor sie als physiologisch aktives
Kollagen inkorporiert werden können. Das OPC verhält
sich wie der Co-Faktor von Vitamin C, verstärkt seine Wirkung und aktiviert somit
die Kollagenproduktion. Man kann dies mit der Reparatur einer kaputten
Leiter vergleichen, bei der nur noch zwei Sprossen übrig sind. Sie muß repariert
werden und neue Sprossen erhalten. Dank OPC verstärkt
sich das Kollagen durch Querverbindungen, die es physiologisch wieder funktionsfähig
und stabil machen, wie im Bild der reparierten Leiter.
Aber ich brauche Ihnen, meine Damen und Herren, nicht zu
erzählen, dass Sie eine Leiter nicht mit egal welchen Holzstücken reparieren können.
Die Holzstücke müssen die richtige Größe haben und zwischen die beiden Seitenteile
passen. Wenn Sie zu lange Holzstücke benutzen, wird die Leiter ganz krumm und
nutzlos. Ich gebrauche dieses Bild, um klarzustellen, dass Sie mit einem Tannin
oder andererseits einem Katechin Holzstücke hätten, die zu groß oder zu klein
wären und niemals zwischen die Seitenteile paßten. Die Seitenteile der Leiter
sind die Kollagenfasern, und hier haben Sie beispielsweise ein Polyphenol, das
sich zwischen die Seitenteile der Leiter einpassen will. Diese Polyphenolsubstanzen
müssen über eine gewisse molekulare Größe verfügen, wenn sie das Kollagen reparieren
sollen. OPC hat zufällig die richtige Größe und paßt ganz genau zwischen die Kollagenfibern.
Man kann das an der Kontraktion einer Kollagenfaser messen, die mit heißem Wasser
in Berührung kommt. Sobald das heiße Wasser aufgedreht wird, zieht sich die Kollagenfaser
zusammen. Wir erkennen dies sehr gut an der schnellen Kontraktion der Kontrollfasern.
Gleiches gilt für Fasern, die zum ersten Mal in Kontakt kommen mit dem, was ich
die «gewöhnlichen» Bioflavonoide nennen würde. Bei Katechinen verzögert sich die
Kontraktion etwas. Das bedeutet, dass das Kollagen etwas stärker ist. Und auch
wenn Tannine für eine noch längere Verzögerung sorgen, erhält man bei OPC die
längste Kontraktionszeit. Je länger die Kontraktionszeit,
desto besser wurde das Kollagen repariert. Hier sehen Sie wieder einmal eine Bestätigung
der Tatsache, dass Sie Moleküle einer bestimmten Größe brauchen, damit die Reparatur
auch ausgeführt werden kann. Man kann zerstörtes Kollagen nicht einfach mit irgend
etwas reparieren. Mein
Laboratorium führte andere Experimente mit Meerschweinchen durch, um zu beweisen,
dass OPC der Co- Faktor von Vitamin C ist. Wir experimentierten mit in vier Gruppen
aufgeteilten Tieren. Der ersten Gruppe wurde Vitamin C vollkommen entzogen. Die
Meerschweinchen lebten ungefähr fünf Wochen und starben dann an Skorbut. Eine
Kontrollgruppe erhielt eine ausgeglichene Ernährung mit viel Vitamin C, und im
Verlauf des Experiments überlebte sie nicht nur, sondern nahm auch an Gewicht
zu. Aber wir entdeckten etwas sehr Interessantes in den beiden anderen Gruppen,
wo den Meerschweinchen etwas weniger Vitamin C verabreicht wurde, wenngleich nicht
genug zum Überleben. Hier sehen Sie die Kurve, die man erhält, wenn man den Meerschweinchen
die gleiche unzureichende Menge an Vitamin C gibt, diesmal aber zusätzlich OPC:
Die Tiere überleben. Wenn man OPC der Ascorbinsäure
hinzufügt, verlängert und verstärkt sich deren Wirkung.
Man kann daher sagen, dass OPC der Co-Faktor von Ascorbinsäure ist. Und es gibt
keine bessere Art, die wohltuende Wirkung von OPC auf Vitamin C zu beweisen.
Hier - ich werde dieses Thema sehr schnell abhandeln - sehen Sie den Beweis, dass
OPC Enzyme hemmt, die das Kollagen zerstören, wie Elastase, und allgemein Enzyme
hemmt, die Proteine angreifen. Schließlich, wenn wir zu der letzten Tabelle
zurückkehren, sehen wir, dass unter diesen Bedingungen Proanthocyanidine eine
Rolle beim Aufbau von Kollagen spielen und seine Zerstörung durch solche Enzyme
verhindert, die die Kollagenzerstörung beschleunigen, wie Kollagenasen. Wie
Sie wissen, gibt es gewisse Krankheiten, bekannt als Kollagen-Krankheiten, die
durch eine Hyperaktivität dieser zerstörerischen Enzyme gekennzeichnet sind. Diese
Experimente bewiesen die therapeutische Wirkung von OPC auf den Blutkreislauf.
Angesichts der Tatsache, dass die Wand eines Blutgefäßes, das Endothelium, voller
Kollagen ist, was die Elastizität und die Resistenz des Gefäßes sichert, folgt
daraus, dass man, wenn man das Kollagen schützt, indem man die Qualität des Kollagens
verbessert, gleichzeitig die Qualität des Blutgefäßes selbst verbessert.
Wir
mußten auch beweisen, dass OPC bioverfügbar ist. Und dies war keineswegs
offensichtlich, weil polymerisiertes OPC Tanninen ähnelt, und wir wußten ja, dass
Tannine nicht bioverfügbar sind. Oral eingenommene Tannine durchdringen nicht
die Darmwand. Wie konnten wir also beweisen, dass OPC diese Wand durchdringt?
Mit anderen Worten, wie konnten wir beweisen, dass oral eingenommenes OPC bei
Tieren wie bei Menschen schließlich mehr oder weniger überall im Körper sein würde?
Hierfür markierten wir OPC aus Trauben mit radioaktivem Kohlenstoff . Natürlich
konnten wir die Pinien aus der Gegend von «Les Landes» nicht markieren, dass wir
sie nicht in unser Labor mitnehmen konnten; also züchteten wir statt dessen «Mini-Weinstöcke».
Diese hielten wir 45 Tage lang in einer kohlensäurereichen Atmosphäre, wofür wir
radioaktiven Kohlenstoff benutzten. Die Photosynthese dauerte 45 Tage, und besonders
verband sich das OPC mit dem radioaktiven Kohlenstoff. Als wir nach 45 Tagen die
Blätter von den Reben pflückten und sie im Dunkeln auf Fotopapier legten, erhielten
wir «Auto-Röntgenstrahlen»: Die Traubenblätter waren
radioaktiv und fotografierten sich selbst. Wenn man also einem Tier Proanthocyanidine
gibt, OPC, das aus mit radioaktivem Sauerstoff behandelten Traubenkernen gewonnen
wurde, wird ihre Verteilung im Körper durch die Radioaktivität meßbar, die von
jedem tierischen Organ ausgeht, wie man an dieser Tabelle ablesen kann. In dieser
Tabelle haben wir die Radioaktivität des gesamten Blutes bei 1 angesetzt, und
Sie sehen, dass die Aorta gleichzeitig die höchste Radioaktivität aufweist. Wenn
die Gesamtblutradioaktivität bei 1 ist, so ist die der Aorta sieben- bis achtmal
höher. Das bedeutet zunächst einmal, dass OPC sich
im ganzen Körper verbreitet, aber eine besondere Affinität zu dem vaskulären System
aufweist.
Wenn
Sie eine Scheibe des Tieres nehmen - dies ist der Querschnitt einer in flüssigem
Helium gefrorenen Maus - und sie auf einen radiographischen Film legen, erscheinen
alle radioaktiven Stellen als weiße Flecken. Hier ist zum Beispiel der Querschnitt
der Aorta und der Haut. Kurz gesagt, verbreitet sich die Radioaktivität durch
den ganzen Körper, ein Beweis dafür, dass OPC bioverfügbar ist. Hier sehen Sie
die Radioaktivität auf einer Vergrößerung des Tierherzens, und Sie sehen, wieviel
OPC sich tatsächlich an das Kollagen in den Wänden der Arterien heftet, die das
Blut zum und vom Tierherzen transportieren.
Es ist keineswegs selbstverständlich, dass andere Polyphenole
ebenfalls bioverfügbar sind. Ich habe darauf hingewiesen, dass Tannine es nicht
sind, und es gibt ein weiteres Polyphenol namens Rutin oder Rutosid, das als Nahrungsergänzungsmittel
viel verkauft wird. Sicher verfügt es auch über eine gewisse Wirkung, zweifellos,
aber als wir Rutosid mit Kohlenstoff 14 markierten,
wie wir dies mit dem OPC aus Traubenkernen gemacht hatten, und es an ein Tier
verfütterten, konnten wir nur im Darmtrakt Radioaktivität entdecken. Ganz offensichtlich
mußte das Rutosid ja irgendwo sein, aber es war im
Darm verblieben. Wir mußten den Umriß des Tierkörpers einzeichnen, dasseinzig
der Darm radioaktiv war, und sonst nichts. Dies beweist,
dass dieses Flavonoid nicht bioverfügbar ist. Immer noch wird es als Arzneimittel
verkauft, was natürlich für diejenigen angenehm ist, die damit ihr Geld verdienen,
aber es ist nicht erprobt wie OPC. Ich
komme nun zum letzten Teil meines Vortrags [...].
Wie Sie sich erinnern, beschäftigte ich mich in meiner ersten Arbeit mit Erdnüssen.
Diese enthalten Öl, und wie zufällig ist dieses Öl von einer OPC-haltigen Haut
umhüllt. Anschließend arbeitete ich über die Pinie aus der Gegend von «Les Landes»,
die ein Harz enthält, das sehr anfällig für Oxidation ist, und wiederum wie zufällig
wird dieses Harz ebenfalls durch eine Art «Rindenschale», die reich an OPC ist,
beschützt. Im dritten Fall wandte ich mich den Traubenkernen zu. Ich habe bereits
dargestellt, dass Traubenkerne ein Öl enthalten, das sehr reich an Polyäthylenfettsäuren
ist, und siehe da, auch Traubenkerne sind von einem stark OPC-haltigen Bereich
umgeben. Kurzum, Pflanzen ergreifen die Vorsichtsmaßnahme,
sich mit OPC zu umgeben, wenn sie sich gegen Oxidation schützen müssen.
Warum sollten wir Menschen nicht das gleiche tun? Auch wir haben Gründe, uns vor
den Auswirkungen von Sauerstoff zu fürchten. Ich stellte mir diese Frage, und
bei dem Versuch, sie zu beantworten, entdeckte ich die ausgesprochen starke Schutzwirkung
von OPC gegen die freien Sauerstoffradikale.
Dies ist das Foto eines Buches. Dieses Buch aus meiner Bibliothek ist hundert
Jahre alt und vergilbt wie alle alten Bücher. Trotz sorgfältigen Umgangs hat Sauerstoff
dazu geführt, dass das Papier gelb wurde, wie jeder selbst sehen kann. Ebenfalls
kann jeder leicht das folgende überprüfen. Nehmen Sie eine
Seite aus einer Zeitung, und legen Sie sie an einem schönen Sommertag in die Mittagssonne,
und zwar mit einem dunklen Teller, den Sie mitten auf das Papier stellen. Lassen
Sie die Zeitung drei Stunden in der Sonne. Nach diesen drei Stunden werden Sie
bemerken, dass die Zeitung sich fast so stark gelb gefärbt hat wie das alte Buch
in einem Jahrhundert. Was ist geschehen? Eindeutig hat sich die Zeitung
unter dem Teller nicht gelb verfärbt, wo sie vor der Sonne geschützt war. Das
bedeutet, dass Sauerstoff durch das Sonnenlicht verstärkt dazu neigt, sich in
freie Radikale zu verwandeln. Mit anderen Worten, molekularer Sauerstoff wird
zu radikalem Superoxid und zum großen Kummer der Moleküle, die ihm im Weg stehen,
denn sie haben gute Chancen, in Stücke zerbrochen zu werden. Die Wirkung hiervon
auf Kollagen wird an dem Bild der alten Landfrau aus den Bergen Perus deutlich.
Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass hier ein Beispiel von stark beschädigtem
Kollagen bei einem Menschen vorliegt, der mehr als 60 Jahre in Höhenluft verbracht
hat und daher nicht nur dem Sauerstoff, sondern auch dem Sonnenlicht und freien
Radikalen ausgesetzt war. All
dies ist ziemlich banal und allseits bekannt. Aber vielleicht führt es uns zu
der Annahme, dass dieser Prozeß nur das Äußere unserer Körper betrifft. Dem ist
jedoch nicht so. Jede Zelle in unserem Körper muß Moleküle beseitigen, und im
allgemeinen gebrauchen Zellen Sauerstoff, um die nicht mehr brauchbaren Moleküle
fortzuschaffen, lästige Moleküle, die sie in ihrem Zytoplasma nicht gebrauchen
können. Einige dieser Moleküle können jedoch nicht von den Sauerstoffmolekülen
beseitigt werden, die wir atmen. Unsere eigenen Körper verwandeln einen Teil des
Sauerstoffs in freie Radikale. Tatsächlich haben
wir in unseren Körpern freie Radikale, die wir selbst
hervorbringen, um das Innere unserer Zellen von den Substanzen zu befreien, wie
das «X», das von dem normalen Sauerstoff, den wir atmen, nicht oxidiert werden
kann. Sie sehen also, dass freie Radikale eine physiologische Aufgabe erfüllen.
Zufällig könnte «X» Alkohol sein. Alkohol ist eine der Substanzen, die freie Radikale
erfordern, um aus unseren Zellen entfernt zu werden. All dies ist kaum tröstlich,
aber wir haben gewisse natürliche Abwehrmechanismen. Die Art, wie unser Körper
freie Radikale einsetzt, um seine Zellen zu entgiften, ist ein wenig so, wie wenn
man eine Fliege mit einer Kalaschnikow tötet. Effektiv zwar, aber mit beträchtlichem
Schaden für alles, was die Fliege umgibt. Um also diesen «Overkill» zu vermeiden,
haben wir Schutzsysteme in Form von Enzymen, wie Superoxid Dismutase, Glutathion,
Peroxidase, Katalase. Sie verhindern, dass die anfängliche Reaktion durch das
Superoxidmolekül zu einer Kettenreaktion führt; sie verhindern, dass auf die Produktion
von Superoxid eine ganze Armee an freien Radikalen folgt. All dies funktioniert
sehr gut, aber ... diese Enzyme sind Proteine, und mit zunehmendem Alter läßt
unsere Fähigkeit nach, Proteine zu synthetisieren. Außer dem Alter gibt es noch
genetische Schwächen, die unsere Fähigkeit zur Proteinsynthese beeinträchtigen.
Nun
werden Sie sagen: «Aber es gibt doch Vitamine, Vitamin E und Vitamin C. Sie sind
Antioxidantien, die eine Rolle in unserem natürlichen Abwehrsystem spielen.» Das
tun sie in der Tat, aber nur, wenn wir Nahrung zu uns nehmen, die genügend davon
enthält. Auch wir können nicht immer die Dosen an Vitamin C und E kontrollieren,
die wir täglich zu uns nehmen. Und außerdem zieht die extrem ungesunde moderne
Praxis strenger Diäten oft einen äußerst unzureichenden Vitaminverbrauch nach
sich. Das Ergebnis ist, dass viele Menschen einen Überschuß
an freien Radikalen produzieren. Wir können unseren Glückssternen für die Existenz
von Neutralisierern der Radikalen danken, Substanzen, die uns im Kampf gegen freie
Radikale unterstützen. Diese Substanzen sind OPC. Ich werde es Ihnen beweisen.
Dies ist DPPH, Diphenyl-Picryl- Hydrazyl, ein freies
Radikal. Wenn man nach und nach zum Beispiel OPC dem DPPH hinzufügt, hört die
Radikalenwirkung auf. Hier sehen Sie das DPPH ohne OPC, mit ein wenig OPC und
mit genügend OPC, um die vollständige Unterdrückung der Radikalenwirkung sicherzustellen.
Dies alles kann man mit bloßem Auge beobachten. Hier haben Sie das freie Radikal,
das gefärbt ist und allmählich seine Farbe verliert und verschwindet, während
wir der Lösung mehr OPC hinzufügen.
Sie mögen einwenden, dass all dies schön und gut sei, aber
dass es nur «in vitro» geschieht, dass es nicht real ist. Die Frage lautet daher,
geschieht dies wirklich in unseren Körpern? Ich habe schon vorgeführt, dass OPC
bioverfügbar ist und von unserem Gewebe absorbiert wird.
Ich habe also ein Experiment durchgeführt, indem ich mich selbst als Meerschweinchen
benutzte. Ich appilzierte etwas Dithranol, einen Stoff, der freie Radikale produziert,
auf meinem Arm. 48 Stunden später wies die Haut auf meinem Arm Läsionen auf, die
für die Wirkung freier Radikale typisch sind, außer an den Stellen, wo ich die
Haut fünf Minuten nach dem Auftragen von Dithranol mit ein wenig OPC-haltiger,
auf Traubenkernen basierender Salbe einrieb. Sie sehen hier, dass die Reaktion
auf die Radikale viel schwächer ist. Das beweist, dass die antiradikale Wirkung
auch in lebendem Gewebe stattfindet. Dies
alles führte dazu, dass ich 1987 dieses Patent anmeldete. Ein US-Patent, das mir
gewährt wurde für einen «Pflanzenextrakt mit einem proanthocyaniden Inhalt, als
therapeutischer Wirkstoff mit radikalenentschärfender Wirkung und zu selbigem
Gebrauch». Ich muß sagen, dass dieses Patent in gewissen
Kreisen dieses Landes nicht mit uneingeschränkter Freude aufgenommen wurde. Einige
Leute fragten sich, woher ich die Frechheit nahm, direkt unter ihren Augen ein
Patent anzumelden. Aber so war es nun einmal. Wenn man 40 Jahre lang geforscht
hat, würde ich sagen, hat man das Recht, ein paar Patente anzumelden. Und ich
habe Patente überall in der Welt angemeldet. Wie auch immer, das US-amerikanische
Patentamt in Washington hat mir dieses Patent freundlicherweise genehmigt, und
ich bin sehr stolz darauf, für diese Entdeckung Inhaber eines Patents der Vereinigten
Staaten zu sein. Hiermit möchte ich Ihnen zeigen, dass die Kosmetikindustrie,
sowohl hier als auch in Frankreich, sich der antiradikalen Substanzen bedient.
In Frankreich gibt es eine ganze Reihe Kosmetika, die aus Traubenkernen gewonnene
Pycnogenole enthalten.
Ein
paar abschließende Worte zu dem «französischen Paradoxon».
Ich verspreche, mich kurz zu fassen. Sie sehen hier
das Foto eines Referats, das ich 1961 veröffentlichte. Darin argumentierte ich,
dass Wein dank der darin enthaltenen «flavonischen Derivate»
das Cholesterin senkt. So nannten wir seinerzeit
Proanthocyanidine. Das Wort Proanthocyanidin wurde erst 1970 geprägt, deshalb
sprachen wir noch von flavonischen Derivaten. Ich hielt dieses Referat vor einer
internationalen medizinischen Konferenz über den Gebrauch von Wein und Weintrauben.
Im Publikum befand sich der Dekan der medizinischen Fakultät der University of
California in Los Angeles (UCLA), Milton Silvermann. Als ich fertig war, erhob
sich Herr Silvermann und sagte: «Lieber Professor, bitte
kommen Sie zu uns, und halten Sie diesen Vortrag an der UCLA, ich bin überzeugt,
dass er ein großer Erfolg wird. In heutiger Zeit, im Jahr 1961, gibt es zwei Dinge,
vor denen die Amerikaner sich am meisten fürchten: Kommunismus und Cholesterin.»
Ich beschließe diesen Vortrag, indem ich Ihnen zeige, dass das «französische
Paradoxon» schon 1961 ein integraler Bestandteil meiner Arbeit war Ich
danke Ihnen für Aufmerksamkeit" |